Das Debüt 2019 – Meine Punktevergabe & Fazit

 

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Das Debüt 2019 geht an Nadine Schneider mit Drei Kilometer, auch mein Favorit. Die Plätze 2 und 3 gehen an Angela Lehner und Katharina Mevissen, da waren wir uns ja einig.

Anbei meine Punktevergabe mit Begründung: .
5 Punkte
Drei Kilometer – Nadine Schneider .

Begründung:

Ich habe dem Buch Drei Kilometer von Nadine Schneider 5 Punkte bei Das Debüt gegeben, da sie in meinen Augen von allen 5 Romanen das kompakteste Werk geschaffen hat. Ein kleines Buch über einen Sommer in Rumänien, in dem die Menschen sich vor allem die Frage stellen, ob es sich lohnt zu bleiben oder zu fliehen. Dies gelingt ihr mit einem großen Gespür für Sprache und bildlichen Beschreibungen. .

3 Punkte:
Vater Unser – Angela Lehner

Begründung:

Auch wenn mich das Debüt von Angela Lehner nicht zu 100% überzeugen konnte und etwas ratlos zurück lässt, hat die Autorin mit  Eva Gruber eine der spannendsten Figuren des literarischen Jahres geschaffen und lässt auf viele weitere Bücher hoffen. .

1 Punkt: Ich kann Dich hören – Katharina Mevissen .

Auch wenn mir das Buch gut gefallen hat, erscheint mir das Buch im Vergleich zu den anderen beiden Büchern mit Themen doch etwas zu überfrachtet und dann nicht in allen Ebenen konsequent zu Ende erzählt. .

Die anderen beiden Büchern gehen leider leer aus. Sprachlich ist das Buch von Martin Peichl richtig großes Kino für mich, aber die fehlende komplette Handlung konnte es dann bei diesem Wettbewerb nicht ausgleichen. Das Buch Der Kreis des Weberknechts hat mich gar nicht gepackt, auch wenn ich sprachlich großes Talent sehe, finde ich es einfach langweilig.

Fazit:

Es war für mich eine komplett neue Erfahrung Jurymitglied zu sein und daher habe ich schon versucht die Bücher etwas anders zu lesen als sonst, wer schreibt hier? wer hat Potential? was macht ein gelungenes Debüt aus? Nach welchen Kriterien soll ich  meine Punkte vergeben? Ich war zwischenzeitlich etwas unsicher, weil ich nicht zu sehr nach meinem subjektiven Geschmack gehen wollte, sondern nach dem Gesamtbild. Als ich dann die Bewertung finalisierte, kam es aber sehr automatisch und offensichtlich haben die anderen Jurykollegen einen ähnlichen Geschmack ;). Als sich auch Nadine Schneider mit Drei Kilometer für mich als Favorit herauskristallisierte, habe ich es ein zweites Mal gelesen, um eine fundierte Meinung abzugeben. Ich habe mir also durchaus Gedanken darüber gemacht 🙂 .

Ich bin froh, dass ich ein Teil des Debüts 2019 sein durfte, vielen Dank dafür!

#Blogfragen für Buchblogger

Ich habe auf dem Blog https://stefanmesch.wordpress.com/, Fragen für Buchblogger gefunden und habe Lust ein paar von diesen zu beantworten.

Ich bin anders als die Blogs, die ich gern lese, weil…

Jeder Buchblog, Instagramaccount ist anders. Wie man ein Buch liest, was man gerne liest, hat auch viel mit der Persönlichkeit zu tun. Daher würde ich sagen, jeder ist einmalig, weil viel Persönlichkeit darin steckt.

Helfen Amazon-Rezensionen? Wobei? Wie?

Nein, mir nicht. Aber ich schau mir manchmal an welche Bücher andere Kunden gekauft haben, wenn ich ein bestimmtes Buch aufrufe.

Hilft Literaturkritik in Zeitungen und Magazinen? Wobei? Wie?

Es hilft mir einen Überblick für Neuerscheinungen zu bekommen und wenn ich ein Buch gelesen habe, lese ich ganz gerne mal die Kritiken, auch um ein wenig Input für Rezensionen zu bekommen.

Wahr oder falsch:Ich blogge vor allem, weil ich mich über Bücher austauschen will und im persönlichen Umfeld nicht genug Menschen habe, mit denen ich das könnte.“

Falsch: Ich blogge, weil ich gerne lese und schreibe. Die Kombination treibt mich an.

Mein persönlicher Geschmack und meine Prinzipien beim Lesen und Bewerten:

Ich lese schwerpunktmäßig Belletristik,gern auch einen historischen Roman oder für  zwischen durch etwas Seichteres. Gelesen wird, was gefällt und mich anspricht. Zu Fantasy, New Adult habe ich bisher keinen Zugang gefunden. 

Meine Rezensionen sind echt und authentisch, manchmal fällt es schwer etwas über ein Buch zu schreiben und auch Kritik muss man lernen zu beschreiben und auszudrücken, aber man lernt ja immer dazu.

Wer liest mich? Habe ich eine Zielgruppe?

Instagram zufolge, vor allem Frauen zwischen 25-45.

Welche Ratschläge würde ich meinem früheren Lese-Ich geben? Kann man lernen, Bücher besser auszusuchen, zu entdecken und zu genießen? Wie?

Man sollte generell öfters Bücher abbrechen, manchmal findet man keinen Zugang oder es passt halt nicht. Wenn man sich immer wieder aufraffen muss, zu einem Buch zu greifen, liegt es meist am Buch

Ansonsten durchprobieren, wenn man ein Buch eines Autors mag, mag man meist die Anderen auch. So geht es mir zum Beispiel mit Peter Stamm, Benedict Wells, Theresa Simon, Ian McEwan, Jodi Picoult

Verlage brauchen mich für PR. Sie brauchen mich mehr, als ich sie brauche“ …oder „Toll! Autoren und Presseabteilungen suchen Kontakt und bieten mir Bücher an. Was für ein Glück!“ Was überwiegt?

Vielleicht bin ich naiv, aber so denke ich gar nicht. Ich lese gerne und viel. Klar freut man sich über Rezensionsexemplare, aber ich kaufe auch viele Bücher und lese auch oft ältere oder unbekannte Autoren. Ich lese dass ja alles freiwillig und nicht als Zwang,

Was soll sich tun in meinem Blog und in meinem Leser-/Schreiber-Leben in den nächsten fünf Jahren:

Ich bin mir nicht sicher, ob ich den Blog und Instagram in 5 Jahren noch so intensiv betreibe. 2019 habe ich wirklich sehr viel gelesen, aber es gibt viele andere Dinge, die mich im Leben interessieren und antreiben und so können sich auch die Prioritäten wieder verschieben. Also in 5 Jahren nur noch privater Leser und vielleicht kein Blogger mehr, who knows :).

Ansonsten einfach Spaß bei der Sache, Aktionen mitmachen wie nun zum Beispiel die Teilnahme in der Jury für das Debüt und noch viele schöne Buchmomente erleben.

 

 

Der Vorleser – Bernhard Schlink

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Im ersten Teil geht der fünfzehnjährige Michael mit der 36 Jahren alten Straßenbahnschaffnerin Hanna Schmitz eine sexuelle Beziehung ein. Für Michael ist es eine prägende Erfahrung in Bezug auf Liebe und Sexualität und er würde alles für sie tun, Hanna hingegen wahrt ihm gegenüber immer eine gewisse Distanz und lässt ihn nicht richtig an sie heran. Ein gemeinsames Ritual wird, dass Michael Hanna bei jedem Treffen vorliest.  Als Michael sich in der Schule weiter entwickelt und mehr Zeit mit einer Clique verbringt, verschwindet Hanna eines Tages, woran sich Michael die Schuld gibt.

Der zweite Teil spielt einige Jahre später und offenbart, dass Michael Jura studiert hat. er hat die Möglichkeit an einem Kriegsverbrecherprozess gegen Wärterinnen eines Außenlagers in Auschwitz teil zunehmen. Ihnen wird vorgeworfen, bei einem Todesmarsch gegen Ende des Zweiten Weltkriegs Gefangene in eine Kirche gesperrt und dort nach einem Bombenangriff nicht gerettet zu haben. Hanna ist einer der Angeklagten und wird im Lauf zur Hauptschuldigen ernannt. Vor allem solle sie über den oben genannten Vorfall in der Kirche einen Bericht gefälscht haben.  Auf Grund ihres merkwürdigen Verhaltens in diesem Prozess (sie möchte zum Beispiel keine Schriftprobe abgeben), entdeckt Michael dass sie eigentlich Analphabetin ist und nicht lesen und schreiben kann.  Er ringt lange mit sich, ob er dieses Geheimnis preisgeben soll um sie zu vor einer harten Verurteilung zu schützen.

Im dritten Teil, der wieder einige Jahre später spielt, erfährt man, dass Hanna zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, aber nach 18 Jahren freigelassen werden soll. Michael hat geheiratet, war aber stets unglücklich. Er hat angefangen Hanna besprochene Kassetten ins Gefängnis zu schicken und sie hat dadurch lesen und schreiben gelernt. Briefe hat er ihr nie geschrieben. Es kommt zu einem Treffen im Gefängnis, wo sich beide sichtlich unwohl fühlen, aber Michael bereit ist, Hanna nach dem Freilassen aus dem Gefängnis zu unterstützen. An dem Tag, als er sie abholen möchte, erfhrt er, dass sie sich erhängt hat.

In der 10. Klasse lasen wir den Vorleser und ich konnte damals sowohl mit den erotischen Schilderungen, als auch mit der Geschichte des Prozesses wenig anfangen.

Ich muss aber auch sagen, dass ich mich nicht erinnern kann, dass wir in der Tiefe über die facettenreichen Themen dieses Buches – ist diese Beziehung ein potentieller Missbrauch, Schuld und Sühne, moralische Schuld, Ausschwitzprozesse ausführlich gesprochen hätten.

Als ich jetzt das Buch nochmal gelesen habe, finde ich es eine sehr interessante und faszinierende Geschichte.  Besonders die Einteilung in die drei Kapitel und der Wechsel zwischen der nüchternen Sprache der Prozesse und Handlungen sowie der poetischen Sprache, wenn es über die Liebesbeziehung zu Hanna geht, machen das Buch sehr lesenswert.

Bernhard Schlink wird am 06. Juli 75 Jahre alt und daher hat der Diogenes Verlag diese Sonderausgabe veröffentlicht.  Er ist Jurist und Schriftsteller, was viele seine Werke geprägt hat. Der Vorleser ist sein erfolgreichstes Werk, verfilmt,in mehr als 30 Sprachen übersetzt und war das erste deutsche Buch, das es auf Platz 1 der Bestsellerliste der New York Times schaffte.

Für mich also definitiv einer der großen, deutschsprachigen Schriftsteller. Alles Gute zum Geburtstag, Bernhard Schlink.

Flüchtige Seelen – Madeleine Thien

 

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Ich finde das Thema Kambodscha und den dortigen Genozid sehr interessant. So bin ich auf das Buch “Flüchtige Seelen” von  Madeleine Thien  aufmerksam geworden.

Die Neurologin Jane kam als Kind von Kambodscha nach Kanada und hat sich dort ein neues Leben aufgebaut. Als ihr Kollege Hiroji plötzlich spurlos verschwindet, macht sie sich auf die Suche und auf eine Reise in die ihre Vergangenheit. Hiroji ist offensichtlich nach Kambodscha gereist um dort nach seinen verschollen Bruder zu suchen.  Die  beiden verbindet der Verlust des eigenen Bruders, welches im Laufe des Buches aufgedeckt wird.
Der Roman wird erzählt aus verschiedenen Perspektiven, die Eines gemeinsam haben, sie haben eine zerrissene Vergangenheit von der sie sich nur schwer lösen können, egal wie weit sie sich von ihr entfernen. So erfolgt ein komplexes Puzzle der Zeit in Kambodscha, dass der Leser erstmal entwirren muss um den roten Faden zu finden.

Dieses schwierige Thema verpackt die Autorin in poetischer und berührender Sprache, so dass die Gräueltaten zwar erkennbar sind, aber nicht plastisch und direkt beschrieben werden. Das Buch ist im Aufbau zerrissen wie die oben beschriebenen Persönlichkeiten, Erinnerungen Rückblenden und Gedankensprünge machen es zu einem komplexen und nicht einfachen Leseerlebnis.

Ich hatte mir glaube ich ein weniger poetisches Buch gewünscht, welches mehr die Tatsachen und Hintergründe beleuchtet, aber es ist dennoch ein sehr lesenswertes Buch um sich mit diesem Thema zu beschäftigen.

Die Frauen von Salaga – Ayesha Harruna Attah

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Das Buch “die Frauen von Salaga” von Ayesha Harruna Attah habe ich aus dem Randomhouse Bloggerportal.

Es spielt im Ghana zu Beginn des 19. Jahrhunderts und handelt von zwei Frauen, deren Geschichte im Wechsel erzählt wird.

Aminah ist ein verträumtes Mädchen, das in einem kleinen Dorf lebt. Nach einem brutalen Überfall auf ihr Dorf, wird sie als Sklavin verkauft und verbringt mehrere Jahre bei Wofa Sarpong, der sich auch immer wieder körperlich an ihr vergeht.

Das Leben von Wurche könnte kaum gegensätzlicher sein. Sie ist eine Königstochter und wird mit Adnan verheiratet, Ihr Herz gehört allerdings den Sklavenhändler Moro, mit dem sie eine Affäre anfängt.

Eines Tages flieht Wurche aus dem goldenem Käfig und kauft Aminah als Sklavin. So kreuzen sich die Wege der beiden Frauen und es entsteht ein gewisses Vertrauensverhältnis, was aber nicht über das Verhältnis Herrschaft / Sklavin hinausgeht.

Wer nun erwartet, dass es sich hier nur um einen seichten Frauenroman handelt, muss ich widersprechen. Das Buch gibt Einblicke in eine interessante Zeit Ghanas vor der Kolonisierung , speziell zum Thema Frauen und Sklaven. Es ist gut und flüssig geschrieben, ohne kitschig zu sein. Manchmal hatte ich ein wenig Schwierigkeiten, die anders klingenden Namen auseinander zu halten. Eine Personenübersicht wäre sicherlich hilfreich gewesen.

Zusammenfassend hat es mir gut gefallen.

Kleine große Schritte – Jodi Picoult

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Vielen Dank an das Bloggerportal für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

Ich habe bereits zwei Bücher von Jodi Picoult gelesen und mag ihren Stil sowie die aktuellen Themen, die sie anspricht. So auch in dem Buch Kleine große Schritte.

Das Buch handelt von der überzeugten Hebamme und Kinderkrankenschwester Ruth, die diesen Beruf seit mehr als 20 Jahre ausübt. Sie ist dunkelhäutig, was erst dann zum Problem wird, als ihr der Umgang mit dem Säugling David von seinen rassistischen Eltern untersagt wird. Eines Nachts ist Ruth alleine auf Station und David  kommt in eine Notfallsituation an dessen Folgen er stirbt. Ruth wird verklagt und in Folge von der Anwältin  Kennedy McQuarrie vertreten.  Das Buch wird aus drei Perspektiven erzählt Kennedy, Ruth und Turk Bauer, der Vater von David. Dieser Erzählstil hat  mir gut gefallen, da ich immer gerne Romane aus verschiedenen Perspektiven lese.

Das Thema ist hochbrisant und toll verarbeitet, vor allem durch die verschiedenen Personen. Man wird stark zum Nachdenken angeregt, denn am Ende des Tages ist keiner immun gegen jeder rassistische Züge oder Gedanken. Das Buch ist für mich aber eindeutig zu lang und ausufernd, daher ist es mir schwer gefallen es in einem Rutsch durchzulesen und ich habe immer wieder Pausen gemacht.

 

Die einzige Geschichte – Julian Barnes

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Das Buch beginnt schon richtig gut: << Würden Sie lieber mehr lieben und dafür mehr leiden oder weniger lieben und weniger leiden? Das ist, glaube ich, am Ende die einzig wahre Frage. >>

Das Buch hat drei Teile

Teil 1:

Der 19-Jährige Paul lebt mit seinen Eltern in einem Vorort von London. Beim Tennis lernt er die deutlich ältere Susan kennen, die in ihrer Ehe unglücklich ist und sie fangen eine Affäre an. Was sich nach Mrs. Robinson anhört, entwickelt sich zu einer ernsthaften Beziehung, was natürlich von der Umgebung kritisch beäugt wird.

Teil 2:
Susan und Paul sind zusammen in ein Haus gezogen. Paul studiert Jura, Susan verfällt immer mehr dem Alkohol und Tabletten. Auch erfahren wir, dass es einige Gewaltexzesse mit Susans Ehemann in der Vergangenheit gab. Paul möchte Susan retten, weiß aber nicht wie und distanziert sich auch immer mehr, weil er sich die Schuld an der Situation gibt.
Obwohl ich eigentlich nicht so zart besaitet bin, musste ich bei diesem Abschnitt das ein oder andere Mal ganz schön schlucken.

Teil 3:
In einem größerem Zeitsprung über 20-30 Jahre erfahren wir von einem übergeordneten Erzähler, dass Paul
beruflich viel im Ausland war und nie so richtig sesshaft wurde. Was mit Susan wird, verrate ich an dieser Stelle nicht.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen, ich finde die Sprache und die Ausführungen über die Liebe sehr lesenswert.
Schwachpunkte gibt es bei der Erzählung. Zum Einem sehen wir nur die Perspektive von Paul und erfahren wenig über Susan und warum sie dem Alkohol verfällt. Ist es nur die Einsamkeit oder vermisst sie ihr altes Leben?
Zum Anderen ist Susan sicher Pauls erste und einzige große Liebe, aber es gibt immer wieder Stellen, wo man den Eindruck hat, er sei nur mit ihr zusammen um seine Eltern zu schockieren und abseits jeglicher Konventionen zu leben. So als würde nur sie sein Leben wirklich interessant machen.
Insgesamt ein richtiger Barnes und überaus lesenswert. Und noch ein Zitat zum Abschluss. <<Ihr habt Mumm, und ihr habt eure Liebe. Wer so viel hat im Leben, dem kann das Leben nicht viel anhabe.>>

Bereitstellung eines Rezensionsexemplars durch den Verlag.

Die Ehefrau – Meg Wolitzer

 

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Das Ehepaar Joe und Joan Castleman sitzen in einem Flugzeug auf dem Weg nach Finnland, wo Joe einen der wichtigsten internationalen Buchpreise entgegen nehmen soll. In diesem Moment beschließt Joan ihn zu verlassen.

Rückblende in das Amerika der 50-er Jahre, Joan ist Studentin der Literaturwissenschaften und Joe ihr Dozent. Sie brennen gemeinsam nach New York durch, obwohl Joe bereits verheiratet ist und ein Kind hat. Obwohl Joan literarisches Talent hat, gibt sie ihre eigenen Karriereambitionen auf und fällt in die Rolle der fürsorglichen und treuen Ehefrau. Joe schreibt einem Bestseller nach dem anderen und scheint auch sonst ein ziemlicher Macho und Narzisst zu sein. Er findet kein richtiges Verhältnis zu seinen drei Kindern und hat auch die ein oder andere Affäre. Auf die Frage, ob seine Frau schreibe, sagt er immer, nein sie schreibt nicht.

In Finnland ist auch Nathaniel Bone dabei, der über Joe eine Biographie schreiben möchte. In verschiedenen Gesprächen möchte er Joan entlocken, dass sie eigentlich diejenige war, die Joes Bücher geschrieben hat, da Joe eigentlich gar kein Talent hatte, was Nathaniel durch Recherche herausgefunden hat.

Zum Ende des Buches haben Joe und Joan eine Aussprache und sie sagt ihm, dass sie ihn verlassen möchte, weil sie ihn nicht mehr ertragen kann. Auch wird spätestens hier klar, dass sie die Bücher geschrieben hat und nicht Joe. Allerdings erleidet Joe eine Herzattacke und stirbt. Joan und Nathaniel einigen sich darauf, dass er nicht veröffentlichen wird, dass Joan eigentlich die Autorin der Bestseller war.

Mir hat das Buch gefallen, weil es eine sehr interessante Geschichte ist und man im Lauf des Buches merkt, wie angewidert Joan von ihrem Mann ist und man gut verstehen kann, warum sie ihn verlassen möchte. Oft liest man in Rezensionen, dass es sich um ein feministisches Buch handelt. Diese Meinung kann ich so nicht teilen, zwar emanzipiert sich Joan von ihrem Mann und sagt ihm alles in Gesicht, aber nach seinem Tod  möchte sie nicht, dass die Wahrheit ans Licht kommt.

Das Buch lief / läuft gerade im Kino mit dem Titel „Die Frau des Nobelpreisträgers“ mit einer großartigen Glenn Close, die für etliche Preise nominiert ist.

Das Muschelessen – Birgit Vanderbeke

 

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Das Muschelessen von Birgit Vanderbeke ist ein Roman, der 1990 erschienen ist und eine beliebte Schullektüre darstellt.

Es ist recht kurzes Buch mit einer an sich einfachen Rahmenhandlung.

Mutter, Tochter und Sohn warten auf den Vater, der von seiner Dienstreise zurückkommt und wahrscheinlich eine Beförderung erhalten hat und es gibt zum Abendessen Muscheln. Der Vater verspätet sich und im Laufe des Abends unterhalten sich die drei Personen über die instabile Lage in der Familie.

Zwar wünscht sich der Vater eine richtige, harmonische Familie, aber die Wahrheit sieht vor allem wegen ihm anders aus. Obwohl die Tochter gute Noten schiebt, ist sie eigentlich unerwünscht, da sie ein Mädchen ist. Der Junge ist das Gegenteil, zu verträumt, sensibel, schlecht in der Schule was immer wieder zu Szenen der häuslichen Gewalt führt. Die Mutter sieht weg, unterstützt die Gewalt auch noch durch ihr Verhalten (zum Beispiel verpetzen der Kinder) und möchte die perfekte Hausfrau sein.

Dem Vater ist das recht, aber gleichzeitig schämt er sich auch für sie und nimmt sie nicht mit zu öffentlichen Veranstaltungen. Auch hatte die Mutter vor der Ehe ein eigenes Leben zunächst als Lehrerin, was (natürlich) keine Rolle mehr spielt. Sie nimmt ihn auch immer in Schutz, da er aus einfachen Verhältnissen stammte und sich hochgearbeitet hat.

Am Ende werden die Muscheln entsorgt und das Telefon klingelt. Kommt der Vater später nach Hause, hatte er einen Unfall oder sogar tot ist, erfährt der Leser nicht. Hat der Abend alles verändert und die Mutter hat die Kraft den Vater zu verlassen?

Mich hat das Buch berührt, aufgewühlt und sehr zum Nachdenken angeregt, vor allem die düstere Atmosphäre und die Schilderung diverser Situationen. Man kann es auf vielen Ebenen lesen, man findet auch in allen Interpretationen eine sehr politische Sichtweise, da die Familie zunächst im Osten wohnte und dann in den Westen umsiedelte. Mit dem Abschließenden Entsorgen der Muscheln ist der Untergang der DDR gespiegelt. Finde ich persönlich zu weit hergeholt.

Ich habe auch noch lange darüber nachgedacht, warum es Muscheln zum Essen gab. Eine Erklärung ist sicherlich, dass der richtige Vater von Birgit Vanderbeke Belgier war und dies dort ein beliebtes Gericht ist. Aber Muscheln symbolisieren auch das Weibliche und die Sexualität, was durch den Vater unterdrückt wird.

Im Rahmen des Buches könnte man auch sagen die Muscheln umschließen einen inneren Kern (Perle), nämlich das Innere der Familie.

Sprachlich ist das Buch eher anspruchsvoll, viele lange Sätze, ohne Punkt und Komma, welche die fließenden Gedanken der Tochter gut widerspiegeln.

Ich habe dazu auch ein spannendes Interview mit Birgit Vanderbeke auf Bayern 2 gehört, in dem sie ohne Hemmungen davon erzählt wie autobiographisch der Roman ist und somit auch die Schilderungen über häusliche Gewalt. Ihr Vater war der Schüler ihrer Mutter und 15 Jahre jünger. Nach der Wende machte er flott Karriere. Er war ursprünglich Belgier (was vielleicht auch die Muscheln erklärt) und war als Kind in Brandenburg ein Außenseiter, was von ihrer Seite ein Versuch ist, seine Aggressionen zu erklären. Auf jeden Fall hatte Frau Vanderbeke keine schöne Kindheit und hat später den Kontakt zu ihren Eltern und ihrem Bruder eingestellt. Sie lebt heute in Südfrankreich und hat sich dort eine eigene Idylle mit Familie aufgebaut.

 

Meine 5 liebsten Romane in 2018

Anbei meine 5 liebsten Romane in 2018
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⭐ Christian Berkel – Apfelbaum
Ich fand Christian Berkel als Schauspieler schon immer toll und habe mich sehr über das erste Buch und die Lesung in Frankfurt gefreut. Auch erinnert mich es immer an die tollen Tage in Frankfurt bei der Buchmesse. Und nebenbei ist es eine wunderbare Familiengeschichte im Rahmen der deutschen Geschichte.
⭐Margaret Atwood – Der Report der Magd
Vor diesem Buch habe ich mich ein wenig gedrückt, weil ich eigentlich dachte , dass ich mit Dystopien nicht so viel anfangen kann. Falsch gedacht, seit dem Buch finde ich Dystopien toll und höre gerade Vox (Christina Dalcher) oder schaue die Serie “The Man in the High Castle”. In der Report der Magd geht es um eine Welt, die durch nukleare Katastrophen so zerstört wurde, dass nahezu alle Menschen steril sind. Die Frauen, die noch Kinder bekommen können, werden gefangen genommen und leben als Sklavin (Magd) in der Diktatur Gilead , wo sie nur eine Aufhabe haben, möglich schnell Kinder zu gebären. Ein erschreckend, spannendes Buch, was auch im Rahmen der #metoo Debatte aktueller den je erscheint  und dass obwohl es bereits 1985 erschienen ist.
⭐Ian McEwan – Kindeswohl
Mein erstes Buch von Ian McEwan und sicher nicht das Letzte. Auch wenn er kein Unbekannter ist, für mich eine Entdeckung des Jahres. Ein kritisches Buch über viele ethische Fragen. Die Familienrichterin Fiona Maye hat einen neuen Fall.: Ein 17-jähriger hat Blutkrebs und die Eltern verweigern die lebensrettende Bluttransfusion, weil sie Zeugen Jehovas sind. Wie wird sich Fiona entscheiden?, kann ein 17-jähriger schon selbst über sein Leben entscheiden? und viele weitere Fragen wirft das Buch auf.
⭐Lucy Fricke – Töchter
An Weihnachten war das Buch endlich in der Onleihe verfügbar und es wurde gleich in einem Rutsch durchgelesen. Martha und Betty sind seit 20 Jahren beste Freundinnen und sollen nun Marthas Vater in ein Hospiz in die Schweiz zum Sterben bringen. Der Road Trip gerät etwas  außer Kontrolle und bringt die Freundinnen über verworrene Wege nach Italien und Griechenland. Ein nachdenkliches Buch über Töchter, das Sterben ,die Bilanz aus einem Leben mit einem wundervollen ,sarkastischen, trockenem Humor.
⭐Leïla Slimani – Dann schlaf auch Du
Das Buch  beginnt gleich mit dem Ende der Geschichte: Ein Kind tot, ein Kind schwer verletzt. Es war die Nanny. Wie konnte es zu dieser Katastrophe kommen? Was treibt einen Menschen um die Kinder seines Arbeitgebers zu töten? Hätten dies die Eltern Paul und Myriam nicht merken müssen? Alles Fragen, die in diesem Buch aufgeworfen werden. Ein richtiger Thriller , der einen nachdenklich zurück lässt.